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Rehasport Kurse anbieten: Voraussetzungen, Ablauf und Praxis-Tipps

Erfahre, welche Voraussetzungen du brauchst, um Rehasport anzubieten. Von der Übungsleiter-Lizenz über die Räumlichkeiten bis zur Abrechnung mit den Krankenkassen.

Felix Zink

Felix Zink

Gründer

8. April 2026
6 min Lesezeit
Rehasport Kurse anbieten: Voraussetzungen, Ablauf und Praxis-Tipps

Rehasport im Studio anbieten — was du wissen musst

Rehasport anbieten ist für Studios eine Chance, neue Zielgruppen zu erreichen und ein zweites Standbein aufzubauen. Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Rehabilitationssport nach §64 SGB IX und bekommen die Stunden von ihrer Krankenkasse bezahlt — wenn der Anbieter die formalen Voraussetzungen erfüllt.

Dieser Praxis-Leitfaden zeigt dir, welche Lizenz deine Übungsleitung braucht, wie du als Studio anerkannt wirst, wie die Abrechnung mit den Krankenkassen funktioniert und welche typischen Stolperfallen du vermeidest. Damit du am Ende eine fundierte Entscheidung treffen kannst, ob sich Rehasport für dein Studio lohnt.

Was ist Rehasport eigentlich?

Rehabilitationssport (kurz: Rehasport) ist eine ergänzende Leistung der medizinischen Rehabilitation. Ärztlich verordnet, in Gruppen durchgeführt, von einer qualifizierten Übungsleitung angeleitet — und im Regelfall von der Krankenkasse bezahlt. Rechtsgrundlage ist §64 SGB IX in Verbindung mit der bundesweit gültigen Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR).

Wer kann Rehasport verordnet bekommen?

Jeder Versicherte mit einer ärztlichen Diagnose, bei der Bewegungstherapie sinnvoll ist — etwa bei Rückenleiden, nach Operationen, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Krankheitsbildern oder Krebsnachsorge. Verordnet wird auf dem Formular 56, das die Krankenkasse genehmigen muss.

Wie viele Einheiten bezahlt die Krankenkasse?

Standardmäßig 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten — bei bestimmten Indikationen (z. B. Krebsnachsorge oder Herzgruppen) auch deutlich mehr. Die genauen Mengen stehen auf der Verordnung. Das ist für dich als Anbieter wichtig zu wissen, weil daran die Kapazitätsplanung hängt.

Voraussetzungen für Rehasport-Anbieter

Wer Rehasport anbieten möchte, muss drei Bereiche erfüllen: personelle Qualifikation, räumliche Eignung und organisatorische Anerkennung. Alle drei werden vom zuständigen Landesfachverband (Behinderten- oder Rehabilitationssportverband, kurz BSV) geprüft.

Personelle Voraussetzungen

Die Übungsleitung benötigt die Lizenz B "Sport in der Rehabilitation" — kurz: Übungsleiter-B-Lizenz. Diese ist indikationsspezifisch (z. B. Orthopädie, Innere Medizin, Neurologie) und nur in der jeweiligen Indikation einsatzfähig. Zusätzlich braucht jede Gruppe einen kooperierenden Arzt, der die medizinische Verantwortung trägt.

Räumliche Voraussetzungen

Die Räume müssen für Bewegungsangebote geeignet sein — also ausreichend groß, gut belüftet, mit zugänglichem Sanitärbereich und im Notfall barrierefrei erreichbar. Je nach Indikation sind Geräte oder eine Schwimmhalle erforderlich. Der BSV besichtigt die Räume vor der Anerkennung.

Organisatorische Voraussetzungen

Anbieter muss in der Regel ein gemeinnütziger Verein sein, der Mitglied im Landesfachverband ist. Reine Fitnessstudios oder gewerbliche Anbieter können nicht direkt abrechnen — sie kooperieren entweder mit einem bestehenden Rehasport-Verein oder gründen einen eigenen ausgegliederten Verein. Mehr dazu weiter unten.

Übungsleiter-Lizenz B — Ausbildung im Detail

Die Lizenz wird von den Landesfachverbänden des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) ausgestellt. Sie baut auf einer C-Trainer- oder Übungsleiter-C-Lizenz auf und ist 4 Jahre gültig — danach ist eine Fortbildung nötig.

Voraussetzungen für die Ausbildung

Du brauchst: vollendetes 18. Lebensjahr, eine vorhandene C-Trainerlizenz (oder Sportstudium / vergleichbare Qualifikation), Erste-Hilfe-Nachweis (nicht älter als 2 Jahre) und ein erweitertes Führungszeugnis bei Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen.

Was kostet die Ausbildung?

Der finanzielle Rahmen liegt je nach Verband und Indikation bei rund 700 bis 1.200 Euro für die reine Lehrgangsgebühr. Hinzu kommen oft Anreise, Übernachtung und ggf. Verdienstausfall. Die Lizenz amortisiert sich in der Regel nach den ersten beiden Kursblöcken — vorausgesetzt, du füllst die Gruppen.

Wo finde ich Ausbildungstermine?

Direkt bei deinem Landesfachverband — eine vollständige Liste findest du beim DBS. Da die Termine begehrt sind, lohnt sich frühzeitige Anmeldung. Manche Verbände bieten auch Online-Theorie mit Präsenz-Praxis an, was die Reisekosten reduziert.

Anerkennung als Rehasport-Anbieter — Schritt für Schritt

Die Anerkennung läuft über deinen zuständigen Landesfachverband und gliedert sich in drei Schritte: Antrag, Prüfung und Eintragung in die Anbieter-Datenbank. Plane für den gesamten Prozess 3 bis 6 Monate ein.

1. Antrag stellen

Du reichst beim BSV einen Antrag mit folgenden Unterlagen ein: Vereinssatzung (Gemeinnützigkeit), Nachweis der B-Lizenz der Übungsleitung, Kooperationsvertrag mit dem betreuenden Arzt, Beschreibung der Räumlichkeiten, geplante Gruppengrößen und Indikationen.

2. Standort- und Gruppen-Zertifizierung

Der Verband besichtigt die Räume und prüft deine Konzeption. Bei positiver Bewertung wirst du in die offizielle Anbieter-Datenbank des Verbandes aufgenommen — und tauchst damit auch im Anbieter-Suchverzeichnis für Versicherte auf.

3. Audits und laufende Qualitätssicherung

Anerkannte Anbieter werden regelmäßig geprüft — meist unangekündigt. Geprüft werden Anwesenheitslisten, Lizenz-Nachweise, Inhalte der Stunden und die Kooperation mit dem betreuenden Arzt. Bei Verstößen droht der Entzug der Anerkennung — also: Dokumentation lückenlos führen.

Abrechnung mit den Krankenkassen — so funktioniert es

Die Abrechnung gehört zu den komplexesten Themen im Rehasport. Wer hier Fehler macht, bekommt sein Geld nicht oder erst nach Monaten. Drei Punkte solltest du verstanden haben: Wer rechnet ab, wie hoch ist die Vergütung und wie läuft der Workflow.

Wer rechnet eigentlich ab?

Abrechner ist immer der Verein — nicht das Studio und nicht die einzelne Übungsleitung. Wenn du als gewerbliches Studio anbieten willst, brauchst du also einen Verein als Abrechnungspartner. Üblich sind zwei Modelle: Eigene Vereinsgründung (mehr Aufwand, behältst alle Einnahmen) oder Kooperation mit bestehendem Abrechnungs-Verein (einfacher, aber 15 bis 20 Prozent Provision üblich).

Wie hoch sind die Vergütungssätze?

Die Vergütung pro Teilnehmer und Übungseinheit variiert stark — abhängig vom Bundesland, der Krankenkasse und der Indikation. In Deutschland existieren mehr als 14.000 unterschiedliche Vergütungssätze. Den exakten Betrag findest du im Vergütungssatz-Finder des Bundesverbandes Rehabilitationssport. Als grober Richtwert: meist im Bereich von 5 bis 8 Euro pro Teilnehmer und Einheit.

Der Abrechnungs-Workflow

Pro Stunde brauchst du: ärztliche Verordnung des Teilnehmers, Anwesenheitsnachweis (von Teilnehmer und Übungsleitung unterschrieben), Indikation und Stundenzahl. Diese Unterlagen werden gesammelt, am Ende des Quartals sortiert nach Krankenkasse eingereicht und 4 bis 8 Wochen später ausgezahlt. Eine gute Verwaltungssoftware spart hier den größten Aufwand.

RolleAufgabePflicht
VereinAnerkennung beim BSV, Abrechnung mit Krankenkassen, Vereinssatzung pflegenGemeinnützigkeit, BSV-Mitgliedschaft
Studio (Anbieter)Räume bereitstellen, Buchungen verwalten, Marketing, Teilnehmer-OnboardingGeeignete Räume, Versicherung, ggf. Kooperationsvertrag
ÜbungsleitungStunden planen und durchführen, Anwesenheitsliste führen, Verordnungen prüfenGültige B-Lizenz, Erste-Hilfe-Nachweis, Fortbildung alle 4 Jahre
Betreuender ArztMedizinische Verantwortung, Beratung der Übungsleitung, Notfall-ErreichbarkeitApprobation, Kooperationsvertrag mit dem Verein

Praxis-Tipps für Studios

Aus der Erfahrung von hunderten Studios, die Rehasport im Programm haben, kristallisieren sich drei Punkte heraus, die über Erfolg oder Frust entscheiden.

Tipp 1: Plane Kapazität realistisch

Eine Rehasport-Gruppe hat in der Regel 8 bis 15 Teilnehmer. Bei niedrigerer Belegung bist du schnell im roten Bereich. Rechne im ersten Jahr mit 4 bis 6 Monaten Anlaufzeit, bis die Gruppen voll sind. Empfiehl deinen Bestandskunden, ihre Verordnungen bei dir einzulösen — das ist der schnellste Weg zur Auslastung.

Tipp 2: Software früh auswählen

Manuelle Anwesenheitslisten und Excel-Abrechnung funktionieren bis zu zwei Gruppen. Ab dann brauchst du eine Buchungs- und Verwaltungssoftware, die Verordnungen verwaltet, Anwesenheiten digital erfasst und Abrechnungs-Exports erzeugt. Das spart pro Gruppe und Monat 2 bis 4 Stunden Verwaltung — und reduziert Fehlerquoten massiv.

Tipp 3: Audit-Vorbereitung von Anfang an

Audits kommen unangekündigt. Wer die Dokumentation laufend pflegt, hat keinen Stress. Wer drei Monate vor dem Audit alles nachholen muss, riskiert die Anerkennung. Halte deshalb von Tag eins an die Anwesenheitslisten, Verordnungs-Kopien und Lizenz-Nachweise zentral und auffindbar bereit.

Häufige Fragen zu Rehasport anbieten

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Einstieg in den Rehasport — kompakt für dich zusammengestellt.

Fazit: Rehasport lohnt sich — wenn du sauber aufsetzt

Rehasport ist kein schneller Umsatz, aber ein verlässliches Standbein. Wer die formalen Voraussetzungen ernst nimmt, eine gute Übungsleitung gewinnt und von Anfang an saubere Dokumentation aufbaut, baut sich eine planbare Einnahmequelle und gleichzeitig eine starke Bindung zu Bestandskunden auf.

Unsere Empfehlung: Starte mit einer Indikation, einer Übungsleitung und einer Gruppe. Sammle Erfahrung, optimiere Workflows und skaliere erst dann. So vermeidest du den klassischen Fehler, mehrere Gruppen parallel zu starten und am Verwaltungsaufwand zu scheitern.

Felix Zink

Geschrieben von

Felix Zink

Gründer

Felix hat Bookicorn von Grund auf entwickelt – vom Buchungssystem über das Credit-System bis zur Trainer-Abrechnung. Als Fullstack-Entwickler bei der Unicorn Factory Media GmbH baut er Software, die Studios den Alltag erleichtert.

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